I AM VEGGIE

Carola Felcher von Ironman hat mir neulich ein paar spannende Fragen zum Thema vegetarische Ernährung gestellt. Den Text findet ihr auf der Ironman Seite unter:

http://eu.ironman.com/triathlon/news/articles/2016/06/vegetarianism-and-long-distance-racing.aspx#axzz4B3uVKEpu

Die vollständigen Fragen und Antworten habe ich Euch hier nochmal zusammengestellt:

Wie lange ernährst du dich schon vegetarisch, wie kamst du dazu?

ich esse eigentlich schon mein leben lang vegetarisch. Ich habe als Kind alles angeboten bekommen, war aber nie wirklich scharf darauf. Als dich dann nach einem Umzug aufs Land mitbekommen habe, wie Tiere geschlachtet werden, ist mir dann voll und ganz die Lust am Fleischessen verloren gegangen.
Ich habe Tiere einfach lieber lebendig und bin auch nicht damit einverstanden, unter welchen Umständen Tiere in der Massentierhaltung leben und für uns Menschen leiden müssen und möchte dies nicht durch meinen Konsum unterstützen.

Musstest du dich danach mehr mit deiner Ernährung beschäftigen, um leistungsfähig zu bleiben?

Als meine Eltern meine Abneigung gegen Fleisch merkten, sorgten sie dafür, dass mir vegetarische Alternativen zur Verfügung standen. So kam ich schon früh in Kontakt mit Sojaprodukten und lernte Hülsenfrüchte und auch Milchprodukte als wichtige Eiweißquellen schätzen.
Somit musste ich mir selbst wenig Gedanken über eine ausgewogene Ernährung machen, sondern sie nach meinem Auszug bei meinen Eltern einfach nur eigenständig weiterführen.

Viele haben, besonders wenn sie sich vegan ernähren, das Gefühl schlapp zu sein. Hattest du das auch und wie kann man gegensteuern?

Ich habe mich bisher nur einmal ein paar Monate vegan ernährt, als ich in Asien unterwegs war. Die Asiaten essen kaum Milchprodukte und somit ernährt man sich als Vegetarier dort automatisch vegan. Mir ging es sehr gut zu dieser Zeit, allerdings habe ich dort kaum Sport gemacht und kann deshalb nicht beurteilen, wie es mir mit einem hohen Bewegungspensum gegangen wäre.
Durch die vegetarische Ernährung fühle ich mich eigentlich nie schlapp. Ich esse automatisch sehr viel Gemüse, Obst, Getreide und Milchprodukte und fühle mich damit rund um gut versorgt. Schlapp fühle ich mich vielleicht nur dann mal, wenn ich zu wenig Kohlenhydrate esse, oder zu wenig Flüssigkeit zu mir genommen habe.

Worauf sollte man achten als „vegetarischer Mitteldistanzler“?

Ich denke als Vegetarier gibt es, besonders wenn man hohe Trainingsumfänge absolviert ein zwei Parameter, die man immer mal wieder kontrollieren sollte, bzw. für die man ein gutes Körpergefühl entwickeln muss.
Besonders bei Frauen ist dies das Thema Eisen, aber auch Vitamin D. Aber auch in punkto Eiweiß entfallen durch den Verzicht auf Fleisch, ein paar effektive schnell zu verwertende Eiweißquellen. Leider wird das Eisen und auch das Eiweiß aus pflanzlichen Quellen nicht so gut von unserem Körper aufgenommen, wie aus den tierischen. Aber wer ein bisschen recherchiert und bestimmte Lebensmittel clever miteinander kombiniert, erfährt auch hier keinen Nachteil gegenüber den Fleischessern.
Beim Eisenspiegel können sich aber auch regelmäßige Blutkontrollen und evtl. eine Substitution lohnen.
Als Veganer ist das ganze natürlich noch etwas komplizierter, da einem Molkeeiweiß aus Milchprodukten als effektivste fleischlose Eiweißquelle entfällt.
Hierbei ist es wichtig, sich ausreichend pflanzliche Alternativprodukte zu besorgen. Da die pflanzlichen Eiweißquellen leider immer minderwertiger sind, muss die Menge, die man zuführt deutlich nach oben geschraubt werden, was sich häufig auch auf den Geldbeutel auswirkt. Mandelmuß, Nüsse, Soja, Seitan, Hanfprotein sind super lecker und gesund, haben aber auch ihren Preis.

Was hat der Verzicht auf Fleisch mit deinem Körper/Kopf gemacht?

Da ich es nicht wirklich anders kenne, fühle ich mich gut so wie es ist. Würde ich Fleisch essen, würde ich mich extrem schlecht fühlen. Ich habe das Gefühl, das mein Körper die Materie Fleisch gar nicht mehr verstoffwechseln kann und auch mein Kopf/Geist würde unter dem Konsum extrem leiden, da ich die Maschinerie und die Ausbeutung der Tiere nicht für meinen eigenen Konsum und kurzweiligen Genuss unterstützen möchte.

Wie machst du das auf Reisen, insbesondere bei Homestays oder im Hotel? Sagst du vorher Bescheid, bringst du deine eigene Verpflegung mit etc.?

Bisher hatte ich nie Probleme etwas passendes zu Essen für mich zu finden und bin auch immer auf offene und neugierige Menschen gestoßen, die sich für meine Ernährung interessierten und mir halfen Fleischalternativen zu finden.
Häufig greife ich aber auch selbst zum Kochlöffel und koche z.B. meinem Homestay mal ein leckeres vegetarisches Essen und meistens sind die Leute begeistert davon und überrascht wie gut es schmeckt und kommen zu dem Schluss, dass man gar nicht zu jeder Mahlzeit Fleisch essen muss.

Vegetarische Ernährung ist inzwischen ja weit verbreitet. Bekommst du trotzdem manchmal noch spitze Kommentare zu hören oder wird versucht, dich zum Fleischessen zu „verführen“?

Nein, eigentlich bekomme ich nie etwas Negatives zu hören.
Ich stoße auf viel Rücksichtnahme und Toleranz. Und wer nach dem Motto „Fleisch ist mein Gemüse“ lebt, der kann mir bei einem gemeinsamen Essen gerne seine Beilagen herüberschieben. ;-)

Was empfiehlst du als vegetarisches/veganes Ernährungskonzept während des Rennens?

Wer ernährt sich denn im Rennen mit Fleisch oder Milchprodukten? Ich glaube, im Rennen sind wir alle als Vegetarier oder Veganer unterwegs, da dies am besten bekömmlich ist und wir ja primär Kohlenhydrate und schnell verfügbare Zucker brauchen.

Hast du vor demnächst auf die Langdistanz zu wechseln: Wenn ja, inwiefern passt du deine vegetarische Ernährung an?

Ich habe mir darüber um ehrlich zu sein noch wenig Gedanken gemacht, da mich die Mitteldistanz aktuell am meisten reizt und ich habe noch einiges zu tun, um noch schneller zu werden und mich auch international in der Spitze etablieren zu können.
Sollte mir dies gelingen, werde ich vielleicht mit ein paar mehr Trainingsjahren in den Knochen, ein schnelles Langdistanzdebüt aufs Parkett zaubern können.
Die Ernährungsweise werde ich mit steigenden Umfängen nur in der Menge anpassen müssen, ansonsten wird es mir vermutlich an nichts fehlen.

 

Ihr braucht Ideen für leckere vegetarische Gerichte?

Dann schaut Euch doch mal meine Kochsession mit der Tri-Time an: