TOP 10 BEI MEINER ERSTEN WM

Einen Tag nach der 70.3 EM in Wiesbaden saß ich bereits im Flieger nach Australien, so hatte ich drei Wochen, um mich in Down Under auf die WM vorzubereiten. Der Plan war, nach einer regenerativen Eingewöhnungswoche eine letzte harte Trainingswoche folgen zu lassen, um die Form für die WM nochmals zuzuspitzen. Wir bereiteten uns besonders auf ein schnelles Schwimmen und Laufen vor. Die tollen Trainingsbedingungen in und um den Austragungsort der WM, Mooloolaba, eigneten sich bestens dafür und ich hatte eine harte, aber sehr schöne Zeit. Der australische, sehr entspannte Lifestyle und auch der frühe Start in den Tag, den einem die Locals vorleben, gefiel mir sofort und wurde von mir direkt kopiert.

Gutes Essen und noch besseren Kaffe findet man in Mooloolaba an jeder Ecke. Dieser glückliche Umstand ermöglichte es mir, mich vor, nach oder auch zwischen meinen Einheiten bestens zu verpflegen und mir einen Koffeinkick zu holen, wenn ich einen Boost brauchte.img_1195Jedes Schwimmbad ist in Australien komplett durchgeleint und im Straßenverkehr wird viel Rücksicht auf Radfahrer genommen. Läufer trifft man zu jeder beliebigen Zeit an der Promenade und am Strand und auch das angenehm temperierte Meer lud mich das ein oder andere Mal zu einer Freiwassereinheit ein. Ich fühlte mich wie im Triathlontrainingsparadies. Begeistert von den tollen Bedingungen, freute ich mich auf jeden Tag und jede Einheit, auch wenn mein Trainer die ein oder andere harte Einheit für mich bereit hielt. Ich genoß die Tage bis zu meiner ersten WM in vollen Zügen. Der Renntag kam stetig näher und Mooloolaba wurde immer mehr von Triathleten besiedelt, bis diese omnipräsent waren. Währenddessen reduzierte sich mein Trainingsumfang langsam und meine Nervosität stieg dagegen stetig an.img_0667An meine erste WM Teilnahme hatte ich im Vorfeld keine großen Erwartungen geknüpft. Natürlich wollte ich aber versuchen, das Beste aus mir heraus zu holen, um so zu sehen, wo ich in einem der stärksten Felder, die es jemals auf der 70.3 Distanz gab, lande.

Mir war klar, dass es ein sehr schnelles Schwimmen geben würde und dass es auf dem Rad vermutlich zu einer großen Gruppe kommen könnte, da die ersten 40Km flach auf einer Autobahn verlaufen und der Radkurs wenige selektive Passagen bereit hält. Mir war bewusst, dass diese Tatsache mir nicht unbedingt in die Karten spielt. Bereits im Vorfeld stellte ich mich mental auf einen für mich ungünstigen Rennverlauf ein und wusste, dass mich vermutlich ein einsames Rennen erwartet.dsc03478Am Renntag war das zuvor oft wellige Meer wunderbar ruhig und der Sonnenaufgang zauberte eine einzigartige Stimmung herbei. Ich hatte einen guten Start und konnte eine meiner besten Schwimmleistungen in diesem Jahr abrufen. Das dies dennoch bei weitem nicht für die Spitzengruppe reichte, war mir natürlich klar. So versuchte ich, wie so oft in diesem Jahr, meine Aufholjagd auf dem Rad zu starten. Anfangs konnte ich einige Athletinnen überholen und sehr gute Wattwerte fahren. Als mir am Wendepunkt auf der Autobahn jedoch eine circa 12 Frauen umfassende Gruppe entgegenkam, die sichtlich zu kurze Abstände fuhr, wusste ich, dass es für mich unmöglich werden würde meinen Rückstand auf der flachen Strecke aufzuholen. Ich versuchte, mich von nun an damit zu motivieren, den Rückstand wenigstens nicht weiter wachsen zu lassen. Da es auf der Radstrecke keinerlei Zeit- oder Platzierungsinformationen gab, musste ich mich vollends auf mein Gefühl und die Daten meines SRMs verlassen.14237725_852802188154165_381137597819088091_nLeider zeigte nach einiger Zeit genau dieses jedoch nicht mehr die Werte an, die ich im Vorfeld anvisiert hatte. Seit langer Zeit erlebte ich erstmals, wie sich ein richtig schlechter Radtag anfühlt. Im Kampf um die Wattwerte, gegen die muskuläre Ermüdung und zunehmenden Gegenwind war es eine große Herausforderung, mental nicht in eine negative Spirale zu geraten, sondern weiter zu pushen und den Glauben an eine gute Rennleistung nicht zu verlieren.

Kurz vor T2 bekam ich durch meinen Trainer Philipp Seipp dann endlich den ersten Split und Informationen über meinen Rückstand. Überraschenderweise war mein Rückstand einigermaßen gleich geblieben und ich wechselte motiviert in meine Laufschuhe. Der erste KM der Laufstrecke ging erstmal kontinuierlich einen langen Anstieg hinauf und danach wieder in einer langen Geraden bergab. Ich konzentrierte mich erstmal darauf, meinen Rhythmus zu finden, konnte jedoch in der Ferne bereits die ersten Damen vor mir erspähen. So startete ich mit der zweitschnellsten Halbmarathonzeit des Tages eine Aufholjagd, die mich von Platz 14 auf Platz 7 vorlaufen lies. Im Ziel fehlten nur wenige Sekunden auf Platz 6 und 5, welche von den Weltklasseathletinnen Annabel Luxford und Caroline Steffen belegt wurden.

Auf meine Platzierung in diesem Feld und auch auf meinen Kämpfergeist bin ich rückblickend sehr stolz. Als ich im Anschluss einige meiner Konkurrentinnen über das „blue girl“  ( bezogen auf meinen blauen Rennanzug) reden hörte, wusste ich, dass sich meine Reise nach Australien gelohnt hat und ich eine kleine internationale Duftmarke hinterlassen konnte. Zwei Tage nach dem Rennen stieg ich wieder in den Flieger zurück nach Deutschland und freute mich sehr, hier von schönstem Sommerwetter begrüßt zu werden.

Für mich ist dennoch die Zeit gekommen, um Körper und Geist Zeit für eine Pause und zur Regeneration zu geben. Meine Saison startete bereits Anfang April und insgesamt habe ich sieben Mitteldistanzen absolviert, von denen ich drei in Folge gewinnen konnte.

Ich blicke somit auf meine bislang erfolgreichste Saison zurück und freue mich darüber, weder körperlich noch mental ausgelaugt zu sein und mich eigentlich noch sehr frisch zu fühlen. Dennoch entscheide ich mich für die frühe Pause, damit ich wieder früh mit meinem Saisonaufbau beginnen kann, da wir dies bereits im letzten Jahr so machten und dies sicher der Grundstein für meine diesjährigen Leistungen war.img_0674Ich möchte mich auf diesem Wege bei meinen Sponsoren und Partnern, meinem Trainer, meiner Familie, meinen Freunden und allen, die mich unterstützen sehr herzlich bedanken, denn ohne Euch wäre die volle Konzentration auf den Sport und die damit verbundenen Erfolge nicht möglich.

Ich wünsche Euch allen noch eine schöne Restsaison und im Anschluss eine verdiente Pause, in der ihr neue Kraft tanken könnt!

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, wenn es bei mir wieder losgeht.

Bis bald!
Eure Laura