Sieg beim X-Terra France

Ich wollte ein Abenteuer und habe eines bekommen!
Bereits am Freitag ging es für mich in die wunderschönen Vogesen nach Xonrupt-Longemere, wo am Sonntag der Xterra France stattfand.

Das Wetter war leider sehr schlecht, es regnete bei kühlen Temperaturen eigentlich die gesamten drei Tage lang durch. Ich wusste, dass die X-Terra France Strecke eine der anspruchsvollsten im ganzen Crosstriathlonzirkus ist, entsprechend groß war meine Nervosität, wie ich mich wohl im Vergleich zu den Spezialistinnen schlagen würde.

Der erste Streckentest erfolgte am Freitag.

Auf dem MTB galt es zwei Runden á 20 Km und insgesamt 1600Hm zu überwinden. Ich begnügte mich mit einer Runde und fragte mich im Anschluß, wie ich am Sonntag noch eine weitere schaffen sollte.

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©Philipp Seipp

Die Strecke führt zu 90% über Singletrails bergauf und bergab. Die Feuchtigkeit verwandelte den Wald mit all seinen Wurzeln und Steinpassagen in eine einzige Rutschpartie. Ich fräste mich durch Schlamm, der teilweise bis zum Tretlager reichte. Ich war geschockt, so schwer hatte ich mir meine Aufgabe nicht vorgestellt.

Am Abend besichtigte ich die Laufstrecke, diese führt auf Singletrails 2 Runden quer durch den Wald und hat 300Hm. Bei meinem Test lief ich keinen Km unter 6Min, so begannen in mir erste Zweifel aufzusteigen, ob ich mich ausreichend auf dieses Rennen vorbereitet hatte.

Auf dem Bike hatte ich lediglich die letzten zwei Wochen trainiert. Ich wollte im Vorfeld durch die erhöhte Verletzungs-/ Sturzgefahr meine 70.3 Rennen nicht gefährden.

Im Traillaufen hatte ich gar keine Erfahrung mitgebracht. Ich erinnerte mich jedoch an die Worte meines Lauftechniktrainers Wolfgang Schweim, der mir beigebracht hat, „wie auf heißen Kohlen zu laufen“. Also Frequenz hoch und schöne, kleine Schritte machen. Dadurch verringert sich das Risiko umzuknicken und man „tänzelt“ über die Wurzeln und Felsen. So stellte ich es mir zumindest in der Theorie vor. ;-)

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©Carel du Plessis

Den Samstag vor dem Rennen verharrte ich die meiste Zeit des Tages in unserem VW Bus und hörte das Trommeln des Regens auf dem Hochdach und für den perfekten Kuschelfaktor sorgten zwei nasse Hunde ;-). Zum Glück wurde ich bei alldem von meiner Mama begleitet und kulinarisch bestens versorgt. Nach dem obligatorischen Radcheck und einem guten Mittagsschlaf stand noch ein kurzes Schwimmen im wunderschönen Lac de Longemere auf dem Plan und lockerte meine Muskeln ein letztes Mal etwas auf, bevor am nächsten Tag um 13:30 der Startschuss fallen sollte.

Das Rennen begann mit einem – inzwischen selten gewordenen – Massenstart. Verwöhnt von den Starts bei den Ironmanrennen, war die Waschmaschine inklusive einiger Schläge eine ungewohnte Situation für mich. Lange war ich zwischen anderen Athleten eingekeilt und schaffte es nicht, mich „frei“ zu schwimmen. Erst ab der Hälfte der Strecke bekam ich etwas Platz und konnte meinen Rhythmus finden. Ich stieg als 2. Frau aus dem Wasser und machte mich auf den Weg in die Wechselzone.

Dort lies ich erstmal viel Zeit liegen. Ich zog Socken an und auch schon direkt meine MTB Schuhe, da dies auf der Strecke dank dem BOA-Verschluß kaum möglich gewesen wäre.

Zudem musste ich einige Fragen klären: Handschuhe an ja/nein? Stirnband an ja/nein? Brille an ja/nein? Es war der wohl langsamste Wechsel meiner Triathlonlaufbahn.

Auf dem Rad angekommen begann die große Schlammschlacht. Schnell arbeitete ich mich von Position 3 an die Spitze vor. Als mir Philipp nach der ersten Runde einen Vorsprung von drei Minuten zurief, war ich mehr als überrascht.

Die Bedingungen waren nochmals schlechter als bei meinem Streckentest, da bereits am Morgen ca. 500 Starter der Decouverte Distanz die Wege zerpflügt hatten. Meine Schaltung und Kette hatten sich nach und nach so zugesetzt, dass sie kaum mehr funktionierten. Ich verlor mehrfach meine Kette und wurde zu Stopps gezwungen. Mit den Resten aus meinen Trinkflaschen gelang mir dann jedoch eine Säuberung, die dazu führte, dass ich die zweite Runde noch erfolgreich beenden konnte. Pampe scheint auch der Kette gut zu tun. :-)

Auf den Downhillpassagen fühlte ich mich super und konnte sogar den ein oder anderen Mann auffahren, dies bereitete mir natürlich besondere Freude. Die steilen Bergaufpassagen machten mir dagegen zu schaffen. Hier fehlt mir noch die Routine, um auch technisch knifflige Sektionen ohne Abstieg zu passieren.Trotz allen Schwierigkeiten konnte ich die Führung behaupten und sogar die schnellste Radzeit des Tages fahren.

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©Philipp Seipp

Mit etwas über 5 Min Vorsprung wechselte ich auf die Laufstrecke. Diese ging nach ein paar Metern entlang des Sees direkt den Berg hinauf. Ich versuchte besagte Technik anzuwenden und kam, bis auf einen Schuhverlust in einem Schlammloch und einen Sehverlust durch Schlamm in den Augen, sehr gut zurecht. Es machte sogar richtig Spaß und die 10Km vergingen wie im Flug. Dadurch dass man sich ständig hundertprozentig auf den Untergrund konzentrieren muss, spürte ich die Belastung weniger stark als bei meinen Mitteldistanzrennen.

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©Philipp Seipp

So konnte ich am Ende meinen Vorsprung sogar noch weiter Ausbauen und durfte als Siegerin mit 8 Minuten Vorsprung auf Brigitta Poor und Helena Erbenova die Ziellinie überqueren.

Was ein tolles Erlebnis, das mir definitiv Lust auf mehr gemacht hat!

Die Veranstalter haben ein tolles Rennen organisiert und die Franzosen feiern den Sport sogar bei schlechtem Wetter mit einem Enthusiasmus, der ansteckt. Chapeau!

Die Qualifikation für Maui habe ich nun in der Tasche und freue mich schon sehr dort am 29. Oktober an der Startlinie zu stehen und mich mit den Besten der Crossszene zu messen.

Bis dahin werde ich dann zusammen mit meinem Coach Philipp Seipp auch noch mehr an meiner MTB- und Traillauffom feilen. Erste Gelegenheiten dazu werde ich in den kommenden Wochen in unserem Trainingslager im Engadin finden.

Bevor es soweit ist, steht nächsten Sonntag der Mainova Ironman Frankfurt an, bei dem ich wieder als Teamkapitänin einer Mainova Staffel eine Mitteldistanz absolviere und gleichzeitig etwas Ironmanluft schnuppere.

Ich freue mich schon, viele von Euch in Frankfurt zu treffen und mir das Rennen vor Ort anzusehen!

Eure Laura