Podium bei der XTerra WM auf Maui

Geschafft! — eine lange, intensive und überaus erfolgreiche Saison liegt hinter mir.

Zwei Wochen sind nun seit Patricks Sieg auf Big Island und meiner Erkundungswoche auf Kona vergangen. Nach den intensiven Erlebnissen um den Ironman Hawaii ging es für mich nach Maui weiter, wo ich die letzten zwei Wochen vor der X Terra WM etwas einsamer verbrachte. In dieser Zeit habe ich Wetterextreme erlebt, die meine Vorfreude auf das Rennen von einem Extrem ins andere schwanken ließen.

Die Einheimischen sprachen von den intensivsten Regenfällen, die sie auf der Insel jemals gesehen haben. Die Zeitungen berichteten von den stärksten Unwettern seit 30 Jahren. Mein Streckencheck – nur drei Tage vor dem Renntag – endete mit einem unfahrbar verschlammten Bike, das ich im letzten Teil der Runde nur noch schieben konnte. Der Vulkansand wird in der Verbindung mit Wasser zu einer klebrigen Pampe, die alle, aber auch wirklich alle drehenden Teile am Rad zum Stillstand bringt.

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Nach einer langen Putz- und Ölsession war mein Rad wieder hergestellt. Und dank zweier Laufradsätze von Tune mit unterschiedlichen Reifen für alle Untergründe, war ich bereit für den Wettkampf.

Ganz entgegen meiner Gewohnheit, hatte ich erstmals Mühe die mentale Spannung zu halten, die ich für Rennen benötige, um meine Leistung zu erbringen.

Seit der WM in Chattanooga sind einige Wochen vergangen, in denen nicht nur das zielgerichtete Training im Vordergrund stand sondern auch das Kennenlernen des bunten Treibens während der Rennwoche in Kona, ein Umzug und und und. Des Weiteren gaben mir der Schwimmkurs und der Bikekurs Rätsel auf. In der Bucht des Rennens tummelten sich in der Woche vor dem Rennen die Surfer, weil der Swell so gut war. Der Radkurs bereitete mir mit seinen ständigen Wechseln aus engen Kurven und dem unablässigen Auf und Ab Kopfzerbrechen – diese Art von Gelände bin ich bisher nicht gefahren. Ein Gefühl für den Untergrund konnte ich nicht entwickeln, weil die Strecke bis drei Tage vor dem Rennen gesperrt ist und ich meine Trainingseinheiten auf den Asphalt verlegen musste.

Plötzlich war mir klar, was ich alles nicht konnte, ich aber im Rennen können sollte. Der Renntag kam unaufhaltsam näher und meine Zweifel wurden nicht kleiner, lediglich das Wetter besserte sich zusehends. Die Kombination aus Sonne und Wind wirkte wie ein Fön für den Untergrund und ließ die Strecke schneller trocken als angenommen.

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Am Rennmorgen konnte ich mich auf meine dieses Jahr bereits mehrfach erprobte Routine erlassen, sogar der Blick auf den Ozean verhieß Gutes. Die Wellen waren um gut einen Meter geschrumpft (übrigens: am Tag vor dem Rennen wurde unweit des Rennes noch ein sogenannter Big-Wave-Contest ausgetragen).

Für uns Profis gab es leider einen gemeinsamen Start von Frauen und Männern. Die noch immer nicht unerhebliche Brandung würfelte das Feld gehörig durcheinander, so dass ich von der Botschaft in T1,  mich bereits an Position 4 zu befinden, positiv überrascht wurde. IMG_4501

Entgegen meiner Befürchtungen, musste ich während der gesamten Radstrecke kein einziges Mal vom Rad steigen. Dafür bereitete mir mein Camelbag Schwierigkeiten — er gab aus einem rätselhaften Grund keine Flüssigkeit ab. Noch ging es mir gut, aber dieser Umstand holte mich im Verlauf des Rennens umso heftiger ein.

Mein Plan war, dass ich Flüssigkeit über das Camelbak zuführen wollte und die zwei Verpflegungstellen an der Strecke ausschließlich zur Kühlung nutzen wollte. Nachdem ich die erste Rennstunde komplett ohne Flüssigkeit verbrachte, erhielt ich an der super kurzen und kleinen Verpflegungsstelle lediglich eine halbvolle Flasche, die ich durstig mit einem Schluck leerte. Leider führte dieser Zustand im Verlauf des Rennens dazu, dass ich immer durstiger wurde und mir immer wärmer wurde.

Schlussendlich gelang es mir jedoch den Abstand zu Barbara Riveros etwas zu verkürzen, aber Flora Duffy konnte an der Spitze unbeirrt ihr Rennen machen und ihre Führung weiter ausbauen.

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Der Lauf wurde trotz seiner „nur“ 10,5 Km zu einer Kraft- und Willensprobe. Eigentlich war Barbara Riveros in Schlagdistanz, aber mein Körper war wegen des unzureichenden Flüssigkeitsnachschubs und der mangelhaften Kühlung am Limit. Erstmals spürte ich, dass ich mein Potential im Laufen an diesem Tag nicht ausschöpfen und meine Stärke nicht nutzen konnte. Ich lief mit pochendem Puls förmlich gegen eine Wand.

So wurde die dritte Disziplin leider zum Kampf gegen mich und die Strecke, die die ersten 5 Km fast ausschließlich bergauf verlief und kein Erbarmen mit den Läufern hat. Alle Technik und alle Leichtigkeit, die schnelles Laufen ausmachen, waren mir abhanden gekommen. Ich kämpfte mich Meter für Meter vorwärts. Ja, ich musste sogar erstmals in einem Rennen ein paar Schritte gehen, als es brutal steil wurde. Dies ist in Crosswettkämpfen vermutlich gängig, war für mich jedoch eine völlig neue und befremdliche Erfahrung.

Ich befand mich weiterhin an Position 3 und dies half mir mich weiter zu pushen und brachte mich somit langsam aber stetig der Ziellinie näher. Leider hatte der Veranstalter auch auf der Laufstrecke zu wenig Verpflegungsstellen, an denen man jeweils nur ein bis zwei Becher Flüssigkeit gereicht bekam. Dies war für meinen Zustand und für ein Rennen in der vollen Mittagshitze einfach nicht genug.

Ich bin natürlich trotzdem sehr glücklich, dass ich bei meiner zweiten WM Teilnahme in diesem Jahr und unter den widrigen Umständen, erneut einen Platz auf dem Podest erkämpfen konnte.

Meine Glückwünsche gehen an die beiden Mädels vor mir – Flora Duffy und Barbara Riveros – sowie an Brigitta Poor, die auf dem Rad großen Mut bewiesen hat und zurecht den 4. Platz beim Laufen verteidigen konnte.

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Schon heute kann ich sagen, dass mir der Ausflug ins Gelände Freude gemacht hat. Die XTerra Serie ist eine Bereicherung für unseren Sport. Das Rennen hier auf Maui hat einen weltmeisterlichen Platz, aber die Standards eines WM-Rennes hat es noch nicht. Seien es die Verpflegung, die Einrichtung separater Startfelder für Männer und Frauen, die unvollständige Durchsetzung des ITU Reglements oder die nicht vorhandenen Dopingkontrollen.

Jetzt bleiben mir noch drei Tage auf der Insel, bevor der Flieger mich zu den Erdinger Alkoholfrei Teamdays in die Nähe von München bringt. Ich freue mich, meine Teamkollegen in entspannter Atmosphäre zu treffen und auf die vielen Erfolge des Teams in diesem Jahr anzustoßen.

Im Anschluß geht es dann wieder in meine Heimat Heidelberg, wo ich einige entspannte und sportreduzierte Wochen verbringen werde, bevor ich meinen Aufbau für ein spannendes neues Wettkampfjahr 2018 beginnen werde.

Bis bald,

Eure Laura